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ARBEITSPAKET 1 – Projektmanagement

Prof. Dr. Hans-Joachim Fischer, Elena Poyaskova-Grassler


-  Koordination der Projektaktivitäten und der Projektphasen

-  Kommunikation zwischen den Projektpartnern

-  Zusammenstellung der Projektergebnisse

-  Vorbereitung von Projekttreffen

-  Administration des Projektes

-  Evaluation des Projektes

-  Assistenz des Projektkoordinators

-  Monitoring des Projektfortschritts

-  Koordination des Berichtswesens



ARBEITSPAKET 2 – Spielen mit Luft und Wasser als Zugang der Kinder zu Naturphänomenen

Prof. Dr. Hans-Joachim Fischer, Dr. Martina Knörzer


Arbeitspaketbeschreibung

Der „Funktionskreis“ (Bujtendijk) des Spiels: Spielaktionen kommen aus inneren Vorstellungen, Ideen, Erwartungen, Empfindungen, die nach außen gespielt werden, dort auf eine Realität treffen, die ihre eigenen Gesetze hat und daher den Spieler herausfordert, sich auf diese Realität einzulassen. Spiele brauchen deshalb Spielraum für eigene Ideen, aber auch die Widerstände der Realität.

An Grenzen gehen: Im Spiel gehen Kinder an die Grenzen ihrer Erfahrungsmöglichkeiten. Sie spielen riskant mit den Grenzen, gehen darüber hinaus, erweitern so ihre Welt- und Selbsterfahrung, suchen neue Anfänge der Weltbegegnung. Spiele brauchen deshalb das Risiko, die Herausforderung zum Wagnis, die Grenzerfahrung.

Basale Erfahrungen machen: Im Spiel bilden sich die energetischen und aisthetischen Grundlagen, Erfahrungen zu machen: Wachheit, Aufmerksamkeit, Neugierde, Spannung, Freude, Erfindungsreichtum, Ausdauer, Hingabe an den Augenblick, Intensität, „innere Unendlichkeit“ des Erlebens, Mut, Geschicklichkeit u.a.m. Das Spiel darf deshalb nicht pädagogisch inszeniert, verzweckt und kanalisiert werden, sondern muss sich selbsttragend aus sich selbst entwickeln.

Sich selbst spiegeln: Kinder finden im Spiel sich selbst. Sie spielen ihre Erfahrungen, ihre Lebensthemen, ihre Geschichten, ihren Sinn und ihre Bedeutungen, ihre Persönlichkeit in die Auseinandersetzung mit Naturphänomenen und gewinnen darüber spezifische Naturerfahrungen. In diesen Erfahrungen spiegelt sich ihre eigene Biographie. Deshalb brauchen Spiele einen Spielraum der Selbstentfaltung und der eigenen Sinnsetzung.

Spiel im Sozialraum: Kinder finden im Spiel den Anderen. Ihre Spielbewegungen gehen, wenn sie mit Naturphänomenen spielen, immer zugleich in einen Sozialraum. Sie finden dort Echo und Widerhall, Impulse, werden verstärkt, gleichen sich anderen Bewegungen an und spielen mit anderen Bewegungen. Das Spiel ist ganz wesentlich ein mimetischer Prozess, der im Nachahmen und kreativen eigenen Neuschaffen anderer Bewegungen besteht. Deshalb braucht das Spiel die soziale Gruppe.

Denken als Bewegung: Das Spiel ist Medium der impliziten Welterfahrung. Es ist Bewegung, Empfindung, Aktion. Bei jüngeren Kindern ist es ausschließliches Medium des Denkens. Bevor das Denken sich ablöst von der äußeren Bewegung, nach innen genommen wird und als Bewegung und Handlung in der Vorstellung möglich ist, muss es sich außen begründen. Kleine Kinder denken in der Bewegung, in der Wahrnehmung, in der Empfindung. Und auch das Denken größerer Kinder profitiert von dieser Körperlichkeit. Deshalb braucht das Spiel die Spontaneität und Körperlichkeit, die Bewegung und Aktion. Es braucht die sinnlich-leibliche Herausforderung.

Verstehen ist Verknüpfen: Das Weltverstehen kommt aus der impliziten Welterfahrung. Verstehen heißt Verknüpfen. Das, was außen in der Welt verstanden werden soll, jede neue Erfahrung wird in Beziehung gesetzt mit etwas, das in einem selbst schon angelegt ist. Je mehr da schon angelegt ist, je tiefer und bedeutsamer, je dichter und intensiver das Gewebe der Lebenserfahrungen ist, desto mehr Verbindungen sind möglich, an die das Verstehen anknüpfen kann. Deshalb kommt es auf möglichst reiche und intensive, bedeutsame und verlässliche Spielerfahrungen an.

Wiederholung und Variation: Damit sich Verknüpfungen des Verstehens bilden können, müssen Erfahrungen immer wieder neu gemacht, Verbindungen immer wieder neu hergestellt und ausgetestet werden. Auch das ist eine Qualität des Kinderspiels. Es geht in immer neue Wiederholungen, in immer neue Variationen. Deshalb braucht das Spiel einen eigenen Raum, eine eigene Zeit, um sich auszuleben.

Das Spiel ist divergierend, kreativ: Es umspielt die Phänomene von allen erdenklichen Seiten, „steckt die Nase“ in alle Ritzen der Welt. Jede Bewegung, jede Aktion ist eine Hypothese, eine Frage an die Welt. Das Spiel schwärmt aus, will Alles, geht lange Wege, Umwege, zeitverloren – im Gegensatz zum wissenschaftlichen Denken, das sich konvergierend und produktiv auf Wichtiges, Wesentliches, Richtiges beschränkt, auf kurze Wege und methodisch kalkulierte Verfahren. Deshalb darf dem Spiel von Außen kein Wichtig und Richtig gesetzt werden, kein Limit, keine Beschleunigung.

Reflexion des Spiels:
Kinder können das, was sie im Spiel tun und realisieren, reflektieren. Die Reflexion sucht sich ein Medium, eine Sprache, um darin, das Erlebte und Erfahrene auszudeuten. Auf diese Weise wird das Erlebte geordnet und bewusst. Dabei sind ganz verschiedene Medien und Sprachen der Reflexion denkbar. Auch gibt es dabei unterschiedliche Grade der Ordnung und der Bewusstmachung und Explikation. Die Reggio-Pädagogik spricht von den hundert Sprachen der Kinder. Dazu gehört das Nachspielen mit anderen Mitteln, das Gestalten, das Malen und Zeichnen, das Erzählen bis hin zum begrifflichen Modellieren und Theoretisieren in einer abstrahierenden, versachlichenden und Vergegenständlichenden Sprache. Die Kinder brauchen Gelegenheiten und Herausforderungen, ihr Spiel zu reflektieren.

Alltags- und Lebensnähe: Um spielen zu können, braucht es eine relevante Spielumgebung, authentische Phänomene und Mittel und Werkzeuge. Diese sollten lebensnah, alltagsbedeutsam sein, um Anknüpfungen für das Verstehen zu ermöglichen. Künstliche Spielwelten, aufwändiges Brimborium, Knalleffekte hindern das Spiel. Die Phänomene müssen im Spiel intentional und aktional zugänglich sein. Auf eine alltags- und lebensnahe Spielwelt ist zu achten.

Die Rolle des Erwachsenen: Sie besteht darin, a) das Spiel zu ermöglichen und herauszufordern durch Gestaltung und Erschließung von Spielwelten und -Situationen, b) das Spiel der Kinder zu deuten und zu verstehen, um es fördern zu können, und c) den Kindern Möglichkeiten zu erschließen, ihr Spiel zu reflektieren. Dabei kann er Prozesse herausfordern und begleiten, die im Spiel impliziten Welterfahrungen zu explizieren, in die Sprache, ins Bewusstsein, ins Nachdenken, in die Kommunikation und Argumentation zu ziehen. Daraus können Kinder wiederum Anregungen gewinnen, die ihrem Spiel neue Möglichkeiten erschließen. Solche Gespräche sind „Inseln“ der Reflexion, der Versprachlichung, der Bewusstmachung, des Überblickens und Ordnens inmitten eines „Ozeans“ des impliziten Kinderspiels.


In der ersten Projektphase werden Ideen und Materialien, räumliche und zeitliche Szenarien, soziale Formen und Möglichkeiten der pädagogischen Begleitung und Förderung des Spielens mit Luft und Wasser und der Reflexion des Spiels entwickelt und erprobt. Dazu werden einer gemischten Gruppe aus Kindergarten- und Schulkindern im Alter von 4 bis 8 Jahren wöchentlich einstündige Angebote gemacht. Das Spiel wird filmisch dokumentiert und ausgewertet. Die gemachten Erfahrungen werden in die Konzeption einfließen.


Arbeitspaket Nr. 12: Entwicklung und Auswertung eines Evaluationsinstruments für das Projekt „Natur und Technik in frühen Bildungsprozessen“ (Fragebogen)

Dr. Martina Knörzer und Elena Grassler

Entwickelt wird ein Fragebogen, der die Weiterbildungsmaßnahme mit den Erprobungsschulen und -kindergärten sowie das Projekt selbst evaluiert. Adressaten sind die die ErzieherInnen und LehrerInnen der Erprobungseinrichtungen.

Die Evaluation der Weiterbildungsmaßnahme kann auf Instrumentarien zurückgreifen, die bereits im Zusammenhang der Evaluation der Lehre und insbesondere auch der Evaluation von Kontaktstudien an den Partnereinrichtungen entwickelt wurden. Dabei kommt es auf Faktoren der Klarheit und Strukturiertheit des inhaltlichen Angebots, der Brauchbarkeit und des Nutzens, der Beteiligung und Aktivierung sowie der Atmosphäre an. Für die Evaluation der Konzeption und Durchführung des Projekts „Natur und Technik in frühen Bildungsprozessen“ muss ein eigenes Instrument entwickelt werden. Der Fragebogen wird in die Landessprachen der Partner übersetzt.

Die Auswertung erfolgt mittels des Statistikprogramms SPSS. Die Ergebnisse werden im Handbuch 2 vorgestellt und diskutiert.


Arbeitspaket Nr. 13: Auswertung des Projekts: Analyse des Kinderspiels

Prof. Dr. Hans-Joachim Fischer und Dr. Martina Knörzer

In der Erprobungsphase spielen Kinder mit Luft und Wasser. Das Spiel wir über räumliche Szenarien, sowie über Gegenstände und Materialen angeregt. Das Spiel wird filmisch dokumentiert. Etwa 20 einstündige Filmdokumente sollen auf diese Weise während der Erprobungsphase anfallen. Die Filmdokumente werden umgangssprachlich transkribiert. Die Transkripte werden unter folgenden Fragestellungen ausgewertet:

1.        Wie spielen Kinder mit Luft und Wasser? Welche Aktionen lassen sich unterscheiden? Welche Fragen und Hypothesen stecken darin? Welche Themen entwickeln sie? Welches implizite Weltwissen wird darin generiert? Wie ergiebig sind die Spielszenarien?

2.        Welche Funktion hat die Sprache im Spiel der Kinder? Was sprechen Kinder? Wie erfassen sie in ihrer Sprache die Phänomene?

Die Ergebnisse der Analyse werden schriftlich zusammengefasst und bilden ein Kapitel des Handbuchs Teil 2. Auf ihrer Grundlage lassen sich die entwickelten Spielideen und Szenarien (Arbeitspaket 2) überprüfen. Darüber hinaus begründen die Ergebnisse eine themenspezifische Anleitung zur pädagogischen Beobachtung und Interpretation des Kinderspiels als Grundlage seiner Förderung.


Arbeitspaket Nr. 17: Auswertung des Projekts: Analyse des sozialen Prozesses, der Ko-Konstruktion von Problemlösungen und Deutungen

Prof. Dr. Hans-Joachim Fischer

In ihrem Spiel setzen sich die Kinder nicht nur mit Phänomenen der Luft und des Wassers auseinander, sondern auch mit dem Spiel der anderen Kinder. Das gleiche gilt für die Prozesse des konstruktiven Bastelns, der Erforschung der Alltagskultur, für die Bewegungsimprovisation und den ästhetischen Bewegungsausdruck oder für die sprachliche Deutung der Phänomene. Aus den Anstößen, den Antworten, den Ko-Konstruktionen und Ko-Kreationen der Anderen erfährt der Prozess der Auseinandersetzung mit Naturphänomenen eine entscheidende Förderung. Die vorliegenden Dokumente zum Kinderspiel, zu den Gesprächen der Kinder, zu ihren Problemlösungen und zu ihrem ästhetischen darstellungs- und Ausdrucksverhalten sollen daher unter folgenden Fragestellungen analysiert werden?

1.        Welche individuellen und gemeinsamen Aktionen, Deutungen, Konstruktionen, Themen entwickeln die Kinder?

2.        Welche Bedeutung hat der soziale Prozess für die Auseinandersetzung mit den Naturphänomenen?

Die Ergebnisse der Analyse werden schriftlich zusammengefasst und bilden ein Kapitel des Handbuchs Teil 2. Daran lassen sich nicht nur die entwickelten Szenarien, Ideen, Problemstellungen, Arrangements überprüfen. Es lassen sich auch Hinweise zur sozialen Förderung der Prozesse gewinnen. Darüber hinaus werden Kriterien gewonnen, den Prozess auch als einen Prozess des sozialen Lernens wahrzunehmen und zu deuten.

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